1. Und Eliphas, der Temaniter, antwortete und sprach:

2. Wenn man ein Wort an dich versucht, wird es dich verdrießen? Doch die Worte zurückzuhalten, wer vermöchte es?

3. Siehe, du hast viele unterwiesen, und erschlaffte Hände stärktest du;

4. den Strauchelnden richteten deine Worte auf, und sinkende Knie hast du befestigt.

5. Doch nun kommt es an dich, und es verdrießt dich; es erreicht dich, und du bist bestürzt.

6. Ist nicht deine Gottesfurcht deine Zuversicht, die Vollkommenheit deiner Wege deine Hoffnung?

7. Gedenke doch: Wer ist als Unschuldiger umgekommen, und wo sind Rechtschaffene vertilgt worden?

8. So wie ich es gesehen habe: die Unheil pflügen und Mühsal säen, ernten es.

9. Durch den Odem Gottes kommen sie um, und durch den Hauch seiner Nase vergehen sie.

10. Das Brüllen des Löwen und des Brüllers Stimme sind verstummt, und die Zähne der jungen Löwen sind ausgebrochen;

11. der Löwe kommt um aus Mangel an Raub, und die Jungen der Löwin werden zerstreut.

12. Und zu mir gelangte verstohlen ein Wort, und mein Ohr vernahm ein Geflüster davon.

13. In Gedanken, welche Nachtgesichte hervorrufen, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,

14. kam Schauer über mich und Beben, und durchschauerte alle meine Gebeine;

15. und ein Geist zog vor meinem Angesicht vorüber, das Haar meines Leibes starrte empor.

16. Es stand da, und ich erkannte sein Aussehen nicht; ein Bild war vor meinen Augen, ein Säuseln und eine Stimme hörte ich:

17. Sollte ein Mensch gerechter sein als Gott, oder ein Mann reiner als der ihn gemacht hat?

18. Siehe, auf seine Knechte vertraut er nicht, und seinen Engeln legt er Irrtum zur Last:

19. wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen, deren Grund im Staube ist! Wie Motten werden sie zertreten.

20. Von Morgen bis Abend werden sie zerschmettert; ohne daß man's beachtet, kommen sie um auf ewig.

21. Ist es nicht so? Wird ihr Zeltstrick an ihnen weggerissen, so sterben sie, und nicht in Weisheit.

1. Rufe doch, ob einer da ist, der dir antwortet! Und an welchen der Heiligen willst du dich wenden?

2. Denn den Narren erwürgt der Gram, und den Einfältigen tötet der Eifer.

3. Ich, ich sah den Narren Wurzel schlagen, und alsbald verwünschte ich seine Wohnung.

4. Fern blieben seine Kinder vom Glück; und sie wurden im Tore zertreten, und kein Erretter war da.

5. Seine Ernte verzehrte der Hungrige, und bis aus den Dornhecken nahm er sie weg; und nach ihrem Vermögen schnappte die Schlinge.

6. Denn nicht aus dem Staube geht Unheil hervor, und nicht sproßt Mühsal aus dem Erdboden;

7. sondern der Mensch ist zur Mühsal geboren, wie die Funken sich erheben im Fluge.

8. Ich jedoch würde Gott suchen und Gott meine Sache darlegen,

9. der Großes und Unerforschliches tut, Wunder bis zur Unzahl;

10. der Regen gibt auf die Fläche der Erde, und Wasser sendet auf die Fläche der Flur;

11. um Niedrige in die Höhe zu setzen, und Trauernde steigen empor zum Glück.

12. Der zunichte macht die Anschläge der Listigen, und ihre Hände führen den Plan nicht aus;

13. der die Weisen erhascht in ihrer List, und der Verschmitzten Rat überstürzt sich.

14. Bei Tage stoßen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie wie bei der Nacht.

15. Und er rettet vom Schwerte, von ihrem Munde, und aus der Hand des Starken den Dürftigen.

16. So wird dem Armen Hoffnung, und die Ungerechtigkeit verschließt ihren Mund.

17. Siehe, glückselig der Mensch, den Gott straft! So verwirf denn nicht die Züchtigung des Allmächtigen.

18. Denn er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen.

19. In sechs Drangsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich kein Übel antasten.

20. In Hungersnot erlöst er dich von dem Tode, und im Kriege von der Gewalt des Schwertes.

21. Vor der Zunge Geißel wirst du geborgen sein, und du wirst dich nicht fürchten vor der Verwüstung, wenn sie kommt.

22. Der Verwüstung und des Hungers wirst du lachen, und vor dem Getier der Erde wirst du dich nicht fürchten;

23. denn dein Bund wird mit den Steinen des Feldes sein, und das Getier des Feldes wird Frieden mit dir haben.

24. Und du wirst erfahren, daß dein Zelt in Frieden ist, und überschaust du deine Wohnung, so wirst du nichts vermissen;

25. und du wirst erfahren, daß deine Nachkommenschaft zahlreich sein wird, und deine Sprößlinge gleich dem Kraut der Erde.

26. Du wirst in Rüstigkeit in das Grab kommen, wie der Garbenhaufen eingebracht wird zu seiner Zeit. -

27. Siehe, dieses, wir haben es erforscht, so ist es; höre es, und du, merke es dir!

1. Und Hiob antwortete und sprach:

2. O daß mein Gram doch gewogen würde, und man mein Mißgeschick auf die Waagschale legte allzumal!

3. Denn dann würde es schwerer sein als der Sand der Meere; darum sind unbesonnen meine Worte.

4. Denn die Pfeile des Allmächtigen sind in mir, ihr Gift trinkt mein Geist; die Schrecken Gottes stellen sich in Schlachtordnung wider mich auf.

5. Schreit ein Wildesel beim Grase, oder brüllt ein Rind bei seinem Futter?

6. Wird Fades, Salzloses gegessen? Oder ist Geschmack im Eiweiß?

7. Was meine Seele sich weigerte anzurühren, das ist wie meine ekle Speise.

8. O daß doch meine Bitte einträfe, und Gott mein Verlangen gewährte,

9. daß es Gott gefiele, mich zu zermalmen, daß er seine Hand losmachte und mich vernichtete!

10. So würde noch mein Trost sein, und ich würde frohlocken in schonungsloser Pein, daß ich die Worte des Heiligen nicht verleugnet habe.

11. Was ist meine Kraft, daß ich ausharren, und was mein Ende, daß ich mich gedulden sollte?

12. Ist Kraft der Steine meine Kraft, oder ist mein Fleisch von Erz?

13. Ist es nicht also, daß keine Hilfe in mir, und jede Kraft aus mir vertrieben ist?

14. Dem Verzagten gebührt Milde von seinem Freunde, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen.

15. Meine Brüder haben sich trügerisch erwiesen wie ein Wildbach, wie das Bett der Wildbäche, welche hinschwinden,

16. welche trübe sind von Eis, in die der Schnee sich birgt.

17. Zur Zeit, wenn sie erwärmt werden, versiegen sie; wenn es heiß wird, sind sie von ihrer Stelle verschwunden.

18. Es schlängeln sich die Pfade ihres Laufes, ziehen hinauf in die Öde und verlieren sich.

19. Es blickten hin die Karawanen Temas, die Reisezüge Schebas hofften auf sie:

20. sie wurden beschämt, weil sie auf sie vertraut hatten, sie kamen hin und wurden zu Schanden.

21. Denn jetzt seid ihr zu nichts geworden; ihr sehet einen Schrecken und fürchtet euch.

22. Habe ich etwa gesagt: Gebet mir, und machet mir ein Geschenk von eurem Vermögen;

23. und befreiet mich aus der Hand des Bedrängers, und erlöset mich aus der Hand der Gewalttätigen?

24. Belehret mich, und ich will schweigen; und gebet mir zu erkennen, worin ich geirrt habe.

25. Wie eindringlich sind richtige Worte! Aber was tadelt der Tadel, der von euch kommt?

26. Gedenket ihr Reden zu tadeln? Für den Wind sind ja die Worte eines Verzweifelnden!

27. Sogar den Verwaisten würdet ihr verlosen, und über euren Freund einen Handel abschließen.

28. Und nun, laßt es euch gefallen, auf mich hinzublicken: euch ins Angesicht werde ich doch wahrlich nicht lügen.

29. Kehret doch um, es geschehe kein Unrecht; ja, kehret noch um, um meine Gerechtigkeit handelt es sich!

30. Ist Unrecht auf meiner Zunge? Oder sollte mein Gaumen Frevelhaftes nicht unterscheiden?

1. Hat der Mensch nicht einen harten Dienst auf Erden, und sind seine Tage nicht wie die Tage eines Tagelöhners?

2. Wie ein Knecht, der sich nach dem Schatten sehnt, und wie ein Tagelöhner, der seines Lohnes harrt,

3. so sind mir zuteil geworden Monde der Nichtigkeit, und Nächte der Mühsal mir zugezählt.

4. Wenn ich mich niederlege, so spreche ich: Wann werde ich aufstehen? Und der Abend dehnt sich hin, und ich werde des Umherwerfens satt bis zur Dämmerung.

5. Mein Fleisch ist bekleidet mit Gewürm und Erdkrusten, meine Haut zieht sich zusammen und eitert.

6. Meine Tage gleiten schneller dahin als ein Weberschiffchen, und schwinden ohne Hoffnung.

7. Gedenke, daß mein Leben ein Hauch ist! Nicht wird mein Auge das Glück wiedersehen.

8. Nicht mehr wird mich schauen das Auge des mich Sehenden; richtest du deine Augen auf mich, so bin ich nicht mehr.

9. Die Wolke schwindet und fährt dahin; so steigt, wer in den Scheol hinabfährt, nicht wieder herauf.

10. Nicht mehr kehrt er zurück zu seinem Hause, und seine Stätte erkennt ihn nicht mehr.

11. So will auch ich meinen Mund nicht zurückhalten, will reden in der Bedrängnis meines Geistes, will klagen in der Bitterkeit meiner Seele.

12. Bin ich ein Meer, oder ein Seeungeheuer, daß du eine Wache wider mich aufstellst?

13. Wenn ich sage: Trösten wird mich mein Bett, mein Lager wird tragen helfen meine Klage,

14. so erschreckst du mich mit Träumen, und durch Gesichte ängstigst du mich,

15. so daß meine Seele Erstickung vorzieht, den Tod lieber wählt als meine Gebeine.

16. Ich bin's überdrüssig, nicht ewiglich werde ich ja leben: Laß ab von mir! Denn ein Hauch sind meine Tage.

17. Was ist der Mensch, daß du ihn hochhältst, und daß du dein Herz auf ihn richtest,

18. und alle Morgen ihn heimsuchst, alle Augenblicke ihn prüfst?

19. Wie lange willst du nicht von mir wegblicken, nicht von mir ablassen, bis ich meinen Speichel verschlucke?

20. Habe ich gesündigt, was tat ich dir an, du Beobachter der Menschen? Warum hast du mich dir zum Angriffspunkt gesetzt, daß ich mir selbst zur Last geworden bin?

21. Und warum vergibst du nicht meine Übertretung und lässest nicht vorübergehen meine Missetat? Denn nun werde ich in den Staub mich legen, und suchst du nach mir, so bin ich nicht mehr.

1. Und Bildad, der Schuchiter, antwortete und sprach:

2. Wie lange willst du solches reden, und sollen die Worte deines Mundes ungestümer Wind sein?

3. Wird Gott das Recht beugen, oder wird der Allmächtige beugen die Gerechtigkeit?

4. Wenn deine Kinder gegen ihn gesündigt haben, so gab er sie ihrer Übertretung preis.

5. Wenn du Gott eifrig suchst und zu dem Allmächtigen um Gnade flehst,

6. wenn du lauter und rechtschaffen bist, ja, dann wird er zu deinen Gunsten aufwachen und Wohlfahrt geben der Wohnung deiner Gerechtigkeit;

7. und dein Anfang wird gering erscheinen, aber dein Ende sehr groß werden.

8. Denn befrage doch das vorige Geschlecht, und richte deinen Sinn auf das, was ihre Väter erforscht haben.

9. (Denn wir sind von gestern und wissen nichts, denn ein Schatten sind unsere Tage auf Erden.)

10. Werden jene dich nicht belehren, dir's sagen, und Worte aus ihrem Herzen hervorbringen?

11. Schießt Papierschilf auf, wo kein Sumpf ist? Wächst Riedgras empor ohne Wasser?

12. Noch ist es am Grünen, wird nicht ausgerauft, so verdorrt es vor allem Grase.

13. Also sind die Pfade aller, die Gottes vergessen; und des Ruchlosen Hoffnung geht zu Grunde.

14. Sein Vertrauen wird abgeschnitten, und seine Zuversicht ist ein Spinnengewebe.

15. Er stützt sich auf sein Haus, und es hält nicht stand; er hält sich daran fest, und es bleibt nicht aufrecht. -

16. Saftvoll ist er vor der Sonne, und seine Schößlinge dehnen sich aus über seinen Garten hin;

17. über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln, er schaut die Wohnung der Steine;

18.

19. Siehe, das ist die Freude seines Weges; und aus dem Staube sprossen andere hervor.

20. Siehe, Gott wird den Vollkommenen nicht verwerfen, und nicht bei der Hand fassen die Übeltäter.

21. Während er deinen Mund mit Lachen füllen wird und deine Lippen mit Jubelschall,

22. werden deine Hasser bekleidet werden mit Scham, und das Zelt der Gesetzlosen wird nicht mehr sein.

1. Und Hiob antwortete und sprach:

2. Wahrlich, ich weiß, daß es also ist; und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott?

3. Wenn er Lust hat, mit ihm zu rechten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.

4. Er ist weise von Herzen und stark an Kraft: wer hat sich wider ihn verhärtet und ist unversehrt geblieben?

5. Der Berge versetzt, ehe sie es merken, er, der sie umkehrt in seinem Zorn;

6. der die Erde aufbeben macht von ihrer Stätte, und ihre Säulen erzittern;

7. der der Sonne befiehlt, und sie geht nicht auf, und der die Sterne versiegelt;

8. der die Himmel ausspannt, er allein, und einherschreitet auf den Höhen des Meeres;

9. der den großen Bären gemacht hat, den Orion und das Siebengestirn und die Kammern des Südens;

10. der Großes tut, daß es nicht zu erforschen, und Wundertaten, daß sie nicht zu zählen sind.

11. Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht, und er zieht vorbei, und ich bemerke ihn nicht.

12. Siehe, er rafft dahin, und wer will ihm wehren? Wer zu ihm sagen: Was tust du?

13. Gott wendet seinen Zorn nicht ab, unter ihn beugen sich Rahabs Helfer.

14. Wieviel weniger könnte ich ihm antworten, meine Worte wählen ihm gegenüber!

15. Der ich, wenn ich gerecht wäre, nicht antworten könnte, um Gnade würde ich flehen zu meinem Richter.

16. Wenn ich riefe, und er mir antwortete, nicht würde ich glauben, daß er meiner Stimme Gehör schenken würde:

17. Er, der mich zermalmt durch ein Sturmwetter, und meine Wunden mehrt ohne Ursache;

18. er erlaubt mir nicht, Atem zu holen, denn er sättigt mich mit Bitterkeiten.

19.

20. Wenn ich auch gerecht wäre, so würde mein Mund mich doch verdammen; wäre ich vollkommen, so würde er mich für verkehrt erklären.

21. Vollkommen bin ich; nicht kümmert mich meine Seele, ich verachte mein Leben; es ist eins!

22. Darum sage ich: Den Vollkommenen und den Gesetzlosen vernichtet er.

23. Wenn die Geißel plötzlich tötet, so spottet er der Prüfung der Unschuldigen.

24. Die Erde ist in die Hand des Gesetzlosen gegeben, das Angesicht ihrer Richter verhüllt er. Wenn er es nun nicht ist, wer anders?

25. Und meine Tage eilen schneller dahin als ein Läufer, sie entfliehen, schauen das Glück nicht.

26. Sie ziehen vorüber gleich Rohrschiffen, wie ein Adler, der auf Fraß herabstürzt.

27. Wenn ich sage: Ich will meine Klage vergessen, will mein Angesicht glätten und mich erheitern,

28. so bangt mir vor allen meinen Schmerzen; ich weiß, daß du mich nicht für schuldlos halten wirst.

29. Ich muß schuldig sein; wozu soll ich mich denn nutzlos abmühen?

30. Wenn ich mich mit Schnee wüsche und meine Hände mit Lauge reinigte,

31. alsdann würdest du mich in die Grube tauchen, und meinen eigenen Kleidern würde vor mir ekeln.

32. Denn er ist nicht ein Mann wie ich, daß ich ihm antworten dürfte, daß wir miteinander vor Gericht gehen könnten.

33. Es gibt zwischen uns keinen Schiedsmann, daß er seine Hand auf uns beide legte.

34. Er tue seine Rute von mir weg, und sein Schrecken ängstige mich nicht:

35. so will ich reden und ihn nicht fürchten; denn nicht also steht es bei mir.

1. Meine Seele ist meines Lebens überdrüssig; ich will meiner Klage in mir freien Lauf lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele.

2. Ich will zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! laß mich wissen, worüber du mit mir rechtest.

3. Gefällt es dir, daß du bedrückst, daß du die Arbeit deiner Hände verwirfst und über den Rat der Gesetzlosen dein Licht leuchten lässest?

4. Hast du Augen des Fleisches, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?

5. Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen, oder deine Jahre wie die Tage eines Mannes,

6. daß du nach meiner Ungerechtigkeit suchst und nach meiner Sünde forschest,

7. obwohl du weißt, daß ich nicht schuldig bin, und daß niemand ist, der aus deiner Hand errette?

8. Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und du verschlingst mich!

9. Gedenke doch, daß du wie Ton mich gestaltet und zum Staube willst du mich zurückkehren lassen!

10. Hast du mich nicht hingegossen wie Milch, und wie Käse mich gerinnen lassen?

11. Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet, und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.

12. Leben und Huld hast du mir gewährt, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.

13. Doch solches bargest du in deinem Herzen; ich weiß, daß dieses bei dir war:

14. Wenn ich sündigte, so würdest du mich beobachten, und von meiner Missetat mich nicht freisprechen.

15. Wenn ich schuldig wäre, wehe mir! Und wäre ich gerecht, so dürfte ich mein Haupt nicht erheben, gesättigt von Schande und mein Elend schauend.

16. Und richtete es sich empor, wie ein Löwe würdest du mich jagen, und immer wieder deine Wunderkraft an mir erweisen.

17. Du würdest deine Zeugen mir gegenüber erneuern und deinen Zorn wider mich mehren, stets frische Scharen und ein Heer wider mich entbieten.

18. Warum hast du mich doch aus Mutterleibe hervorgehen lassen? Ich hätte verscheiden, und kein Auge hätte mich sehen sollen!

19. Als ob ich nicht gewesen wäre, so hätte ich sein sollen, vom Mutterschoße zu Grabe getragen!

20. Sind meiner Tage nicht wenige? Er lasse ab, wende sich von mir, daß ich ein wenig mich erheitere,

21. ehe ich hingehe (und nicht wiederkomme) in das Land der Finsternis und des Todesschattens,

22. in das Land, düster wie das Dunkel, das Land des Todesschattens und der Unordnung, und wo das Hellwerden dem Dunkel gleich ist!

1. Und Zophar, der Naamathiter, antwortete und sprach:

2. Sollte die Menge der Worte nicht beantwortet werden, oder sollte ein Schwätzer recht behalten?

3. Sollte dein Gerede die Leute zum Schweigen bringen, daß du spotten solltest, und niemand dich beschämen,

4. daß du sagen solltest: Meine Lehre ist lauter, und ich bin rein in deinen Augen?

5. Aber möchte Gott doch reden und seine Lippen gegen dich öffnen,

6. und dir kundtun die Geheimnisse der Weisheit, daß sie das Doppelte ist an Bestand! Dann müßtest du erkennen, daß Gott dir viel von deiner Missetat übersieht.

7. Kannst du die Tiefe Gottes erreichen, oder das Wesen des Allmächtigen ergründen?

8. Himmelhoch sind sie, was kannst du tun? Tiefer als der Scheol, was kannst du wissen?

9. Länger als die Erde ist ihr Maß und breiter als das Meer.

10. Wenn er vorüberzieht und in Verhaft nimmt und zum Gericht versammelt, wer will ihm dann wehren?

11. Denn er kennt die falschen Leute; und er sieht Frevel, ohne daß er achtgibt.

12. Auch ein Hohlköpfiger gewinnt Verstand, wenn auch der Mensch als ein Wildeselsfüllen geboren wird.

13. Wenn du dein Herz richtest und deine Hände zu ihm ausbreitest, -

14. wenn Frevel in deiner Hand ist, so entferne ihn, und laß Unrecht nicht wohnen in deinen Zelten,

15. ja, dann wirst du dein Angesicht erheben ohne Makel, und wirst unerschütterlich sein und dich nicht fürchten.

16. Denn du wirst die Mühsal vergessen, wirst ihrer gedenken wie vorübergeflossener Wasser;

17. und heller als der Mittag wird dein Leben erstehen; mag es finster sein wie der Morgen wird es werden.

18. Und du wirst Vertrauen fassen, weil es Hoffnung gibt; und du wirst Umschau halten, in Sicherheit dich niederlegen.

19. Und du wirst dich lagern, und niemand wird dich aufschrecken; und viele werden deine Gunst suchen.

20. Aber die Augen der Gesetzlosen werden verschmachten; und jede Zuflucht ist ihnen verloren, und ihre Hoffnung ist das Aushauchen der Seele.

1. Und Hiob antwortete und sprach:

2. Fürwahr, ihr seid die Leute, und mit euch wird die Weisheit aussterben!

3. Auch ich habe Verstand wie ihr; ich stehe nicht hinter euch zurück; und wer wüßte nicht dergleichen?

4. Ich muß einer sein, der seinem Freunde zum Gespött ist, der zu Gott ruft, und er antwortet ihm; der Gerechte, Vollkommene ist zum Gespött!

5. Dem Unglück gebührt Verachtung nach den Gedanken des Sorglosen; sie ist bereit für die, welche mit dem Fuße wanken.

6. Die Zelte der Verwüster sind in Ruhe, und Sicherheit ist für die, welche Gott reizen, für den, welcher Gott in seiner Hand führt.

7. Aber frage doch das Vieh, und es wird's dich lehren; und das Gevögel des Himmels, und es wird's dir kundtun;

8. oder rede zu der Erde, und sie wird's dich lehren; und die Fische des Meeres werden es dir erzählen.

9. Wer erkennte nicht an diesen allen, daß die Hand Jehovas solches gemacht hat,

10. in dessen Hand die Seele alles Lebendigen ist und der Geist alles menschlichen Fleisches?

11. Soll nicht das Ohr die Worte prüfen, wie der Gaumen für sich die Speise kostet?

12. Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter.

13. Bei ihm ist Weisheit und Macht, sein ist Rat und Einsicht.

14. Siehe, er reißt nieder, und es wird nicht wieder gebaut; er schließt über jemand zu, und es wird nicht aufgetan.

15. Siehe, er hemmt die Wasser, und sie vertrocknen; und er läßt sie los, und sie kehren das Land um.

16. Bei ihm ist Kraft und vollkommenes Wissen; sein ist der Irrende und der Irreführende.

17. Er führt Räte beraubt hinweg, und Richter macht er zu Narren.

18. Die Herrschaft der Könige löst er auf, und schlingt eine Fessel um ihre Lenden.

19. Er führt Priester beraubt hinweg, und Feststehende stürzt er um.

20. Zuverlässigen entzieht er die Sprache, und Alten benimmt er das Urteil.

21. Verachtung schüttet er auf Edle, und den Gürtel der Starken macht er schlaff.

22. Er enthüllt Tiefes aus der Finsternis, und Todesschatten zieht er an das Licht hervor.

23. Er vergrößert Nationen, und er vernichtet sie; er breitet Nationen aus, und er führt sie hinweg.

24. Er entzieht den Verstand den Häuptern der Völker der Erde, und macht sie umherirren in pfadloser Einöde;

25. sie tappen in der Finsternis, wo kein Licht ist, und er macht sie umherirren gleich einem Trunkenen.

1. Siehe, das alles hat mein Auge gesehen, mein Ohr gehört und sich gemerkt.

2. So viel ihr wisset, weiß auch ich; ich stehe nicht hinter euch zurück.

3. Doch zu dem Allmächtigen will ich reden, und vor Gott mich zu rechtfertigen begehre ich;

4. ihr hingegen seid Lügenschmiede, nichtige Ärzte, ihr alle!

5. O daß ihr doch stille schwieget! Das würde euch zur Weisheit gereichen.

6. Höret doch meine Rechtfertigung, und horchet auf die Beweisgründe meiner Lippen!

7. Wollt ihr für Gott Unrecht reden, und für ihn Trug reden?

8. Wollt ihr für ihn Partei nehmen? Oder wollt ihr für Gott rechten?

9. Ist es gut für euch, daß er euch erforsche? Oder werdet ihr ihn täuschen, wie man einen Menschen täuscht?

10. Strafen wird er euch, wenn ihr im Geheimen die Person ansehet.

11. Wird nicht seine Hoheit euch bestürzen, und sein Schrecken auf euch fallen?

12. Eure Denksprüche sind Sprüche von Asche, eure Schutzwehren erweisen sich als Schutzwehren von Lehm.

13. Schweiget, laßt mich, und ich will reden, was auch über mich ergehen möge.

14. Warum sollte ich mein Fleisch zwischen meine Zähne nehmen, und mein Leben meiner Hand anvertrauen?

15. Siehe, tötet er mich, ich werde auf ihn warten, nur will ich meine Wege ihm ins Angesicht rechtfertigen.

16. Auch das wird mir zur Rettung sein, daß ein Ruchloser nicht vor sein Angesicht kommen darf.

17. Höret, höret meine Rede, und meine Erklärung dringe in eure Ohren!

18. Siehe doch, ich habe die Rechtssache gerüstet! Ich weiß, daß ich Recht behalten werde.

19. Wer ist es, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und verscheiden.

20. Nur zweierlei tue mir nicht; dann werde ich mich nicht vor deinem Angesicht verbergen.

21. Deine Hand entferne von mir, und dein Schrecken ängstige mich nicht.

22. So rufe denn, und ich will antworten, oder ich will reden, und erwidere mir!

23. Wie viele Missetaten und Sünden habe ich? Laß mich meine Übertretung und meine Sünde wissen!

24. Warum verbirgst du dein Angesicht, und hältst mich für deinen Feind?

25. Willst du ein verwehtes Blatt hinwegschrecken, und die dürre Stoppel verfolgen?

26. Denn Bitteres verhängst du über mich, und lässest mich erben die Missetaten meiner Jugend;

27. und meine Füße legst du in den Stock, und beobachtest alle meine Pfade, grenzest dir ein die Sohlen meiner Füße;

28. da ich doch zerfalle wie Moder, wie ein Kleid, das die Motte zerfressen hat.

1. Der Mensch, vom Weibe geboren, ist kurz an Tagen und mit Unruhe gesättigt.

2. Wie eine Blume kommt er hervor und verwelkt; und er flieht wie der Schatten und hat keinen Bestand.

3. Dennoch hast du über einen solchen deine Augen geöffnet, und mich führst du ins Gericht mit dir!

4. Wie könnte ein Reiner aus einem Unreinen kommen? Nicht ein einziger!

5. Wenn denn bestimmt sind seine Tage, die Zahl seiner Monde bei dir sind, wenn du ihm Schranken gesetzt hast, die er nicht überschreiten darf,

6. so blicke von ihm weg, daß er Ruhe habe, bis er wie ein Tagelöhner seinen Tag vollende.

7. Denn für den Baum gibt es Hoffnung: wird er abgehauen, so schlägt er wieder aus, und seine Schößlinge hören nicht auf.

8. Wenn seine Wurzel in der Erde altert, und sein Stumpf im Boden erstirbt:

9. vom Dufte des Wassers sproßt er wieder auf und treibt Zweige wie ein Pflänzling.

10. Der Mann aber stirbt und liegt da; und der Mensch verscheidet, und wo ist er?

11. Es verrinnen die Wasser aus dem See, und der Fluß trocknet ein und versiegt:

12. so legt der Mensch sich hin und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, erwachen sie nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlafe.

13. O daß du in dem Scheol mich verstecktest, mich verbärgest, bis dein Zorn sich abwendete, mir eine Frist setztest und dann meiner gedächtest!

14. (Wenn ein Mann stirbt, wird er wieder leben?) Alle Tage meiner Dienstzeit wollte ich harren, bis meine Ablösung käme!

15. Du würdest rufen, und ich würde dir antworten; du würdest dich sehnen nach dem Werke deiner Hände.

16. Denn nun zählst du meine Schritte; wachst du nicht über meine Sünde?

17. Meine Übertretung ist versiegelt in einem Bündel, und du hast hinzugefügt zu meiner Missetat.

18. Und doch, ein Berg stürzt ein, zerfällt, und ein Fels rückt weg von seiner Stelle;

19. Wasser zerreiben die Steine, ihre Fluten schwemmen den Staub der Erde hinweg; aber du machst zunichte die Hoffnung des Menschen.

20. Du überwältigst ihn für immer, und er geht dahin; sein Angesicht entstellend, sendest du ihn hinweg.

21. Seine Kinder kommen zu Ehren, und er weiß es nicht; und sie werden gering, und er achtet nicht auf sie.

22. Nur um ihn selbst hat sein Fleisch Schmerz, und nur um ihn selbst empfindet seine Seele Trauer.

Significados: Rute.

Você está lendo na edição ELB, Elberfelder, em Alemão.
Este lívro compôe o Antigo Testamento, tem 42 capítulos, e 1070 versículos.