1. Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:

2. Du hast's vielleicht nicht gerne, so man versucht, mit dir zu reden; aber wer kann sich's enthalten?

3. Siehe, du hast viele unterweiset und lasse Hände gestärkt;

4. deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Kniee hast du bekräftiget.

5. Nun es aber an dich kommt, wirst du weich; und nun es dich trifft, erschrickst du.

6. Ist das deine (Gottes-)Furcht, dein Trost, deine Hoffnung und deine Frömmigkeit?

7. Lieber, gedenke, wo ist ein Unschuldiger umkommen, oder wo sind die Gerechten je vertilget?

8. Wie ich wohl gesehen habe, die da Mühe pflügten und Unglück säeten und ernten sie auch ein,

9. daß sie durch den Odem Gottes sind umkommen und vom Geist seines Zorns vertilget.

10. Das Brüllen der Löwen und die Stimme der großen Löwen und die Zähne der jungen Löwen sind zerbrochen.

11. Der Löwe ist umkommen, daß er nicht mehr raubet, und die Jungen der Löwin sind zerstreuet.

12. Und zu mir ist kommen ein heimlich Wort, und mein Ohr hat ein Wörtlein aus demselben empfangen.

13. Da ich Gesichte betrachtete in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt,

14. da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken.

15. Und da der Geist vor mir überging, stunden mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.

16. Da stund ein Bild vor meinen Augen, und ich kannte seine Gestalt nicht; es war stille, und ich hörete eine Stimme:

17. Wie mag ein Mensch gerechter sein denn Gott, oder ein Mann reiner sein, denn der ihn gemacht hat?

18. Siehe, unter seinen Knechten ist keiner ohne Tadel, und in seinen Boten findet er Torheit.

19. Wie viel mehr, die in den leimenen Häusern wohnen und welche auf Erden gegründet sind, werden von den Würmern gefressen werden.

20. Es währet von Morgen bis an den Abend, so werden sie ausgehauen; und ehe sie es gewahr werden, sind sie gar dahin;

21. und ihre Übrigen vergehen und sterben auch unversehens.

1. Nenne mir einen; was gilt's, ob du einen findest? Und siehe dich um irgend nach einem Heiligen.

2. Einen Tollen aber erwürget wohl der Zorn, und den Albernen tötet der Eifer.

3. Ich sah einen Tollen eingewurzelt, und ich fluchte plötzlich seinem Hause.

4. Seine Kinder werden ferne sein vom Heil und werden zerschlagen werden im Tor, da kein Erretter sein wird.

5. Seine Ernte wird essen der Hungrige, und die Gewappneten werden ihn holen, und sein Gut werden die Durstigen aussaufen.

6. Denn Mühe aus der Erde nicht gehet, und Unglück aus dem Acker nicht wächset,

7. sondern der Mensch wird zu Unglück geboren, wie die Vögel schweben, emporzufliegen.

8. Doch ich will jetzt von Gott reden und von ihm handeln,

9. der große Dinge tut, die nicht zu forschen sind, und Wunder, die nicht zu zählen sind;

10. der den Regen aufs Land gibt und lässet Wasser kommen auf die Straßen;

11. der die Niedrigen erhöhet und den Betrübten emporhilft.

12. Er macht zunichte die Anschläge der Listigen, daß es ihre Hand nicht ausführen kann.

13. Er fähet die Weisen in ihrer Listigkeit und stürzet der Verkehrten Rat,

14. daß sie des Tages in Finsternis laufen und tappen im Mittag wie in der Nacht;

15. und hilft dem Armen von dem Schwert und von ihrem Munde und von der Hand des Mächtigen;

16. und ist des Armen Hoffnung, daß die Bosheit wird ihren Mund müssen zuhalten.

17. Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet; darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht!

18. Denn er verletzet und verbindet; er zerschmeißet, und seine Hand heilet.

19. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Übel rühren.

20. In der Teurung wird er dich vom Tode erlösen und im Kriege von des Schwerts Hand.

21. Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, daß du dich nicht fürchtest vor dem Verderben, wenn es kommt.

22. Im Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden Tieren im Lande nicht fürchten,

23. sondern dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die wilden Tiere auf dem Lande werden Frieden mit dir halten;

24. und wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat; und wirst deine Behausung versorgen und nicht sündigen;

25. und wirst erfahren, daß deines Samens wird viel werden und deine Nachkommen wie das Gras auf Erden;

26. und wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingeführet werden zu seiner Zeit.

27. Siehe, das haben wir erforschet, und ist also; dem gehorche und merke du dir's!

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Wenn man meinen Jammer wöge und mein Leiden zusammen in eine Waage legte,

3. so würde es schwerer sein denn Sand am Meer; darum ist's umsonst, was ich rede.

4. Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, derselben Grimm säuft aus meinen Geist, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.

5. Das Wild schreiet nicht, wenn es Gras hat; der Ochse blöket nicht, wenn er sein Futter hat.

6. Kann man auch essen, das ungesalzen ist? Oder wer mag kosten das Weiße um den Dotter?

7. Was meiner Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise vor Schmerzen.

8. O daß meine Bitte geschähe, und Gott gäbe mir, wes ich hoffe!

9. Daß Gott anfinge und zerschlüge mich und ließe seine Hand gehen und zerscheiterte mich!

10. So hätte ich noch Trost und wollte bitten in meiner Krankheit, daß er nur nicht schonete. Habe ich doch nicht verleugnet die Rede des Heiligen.

11. Was ist meine Kraft, daß ich möge beharren? und welch ist mein Ende, daß meine Seele geduldig sollte sein?

12. Ist doch meine Kraft nicht steinern, so ist mein Fleisch nicht ehern.

13. Habe ich doch nirgend keine Hilfe, und mein Vermögen ist weg.

14. Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten weigert, der verlässet des Allmächtigen Furcht.

15. Meine Brüder gehen verächtlich vor mir über, wie ein Bach, wie die Wasserströme vorüberfließen.

16. Doch, welche sich vor dem Reif scheuen, über die wird der Schnee fallen.

17. Zur Zeit, wenn sie die Hitze drücken wird, werden sie verschmachten, und wenn es heiß wird, werden sie vergehen von ihrer Stätte.

18. Ihr Weg gehet beiseit aus; sie treten auf das Ungebahnte und werden umkommen.

19. Sie sehen auf die Wege Themas; auf die Pfade Reicharabias warten sie.

20. Aber sie werden zuschanden werden, wenn's am sichersten ist, und sich schämen müssen, wenn sie dahin kommen.

21. Denn ihr seid nun zu mir kommen; und weil ihr Jammer sehet, fürchtet ihr euch.

22. Habe ich auch gesagt: Bringet her und von eurem Vermögen schenket mir

23. und errettet mich aus der Hand des Feindes und erlöset mich von der Hand der Tyrannen?

24. Lehret mich, ich will schweigen; und was ich nicht weiß, das unterweiset mich.

25. Warum tadelt ihr die rechte Rede? Wer ist unter euch, der sie strafen könnte?

26. Ihr erdenket Worte, daß ihr nur strafet, und daß ihr nur paustet Worte, die mich verzagt machen sollen.

27. Ihr fallet über einen armen Waisen und grabet eurem Nächsten Gruben.

28. Doch weil ihr habt angehoben, sehet auf mich, ob ich vor euch mit Lügen bestehen werde.

29. Antwortet, was recht ist; meine Antwort wird noch recht bleiben.

30. Was gilt's, ob meine Zunge unrecht habe und mein Mund Böses vorgebe?

1. Muß nicht der Mensch immer im Streit sein auf Erden, und seine Tage sind wie eines Taglöhners?

2. Wie ein Knecht sich sehnet nach dem Schatten und ein Taglöhner, daß seine Arbeit aus sei,

3. also habe ich wohl ganze Monden vergeblich gearbeitet, und elende Nächte sind mir viel worden.

4. Wenn ich mich legte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Und danach rechnete ich, wenn es Abend wollte werden; denn ich war ganz ein Scheusal jedermann, bis es finster ward.

5. Mein Fleisch ist um und um wurmig und kotig: meine Haut ist verschrumpft und zunichte worden.

6. Meine Tage sind leichter dahingeflogen denn eine Weberspule und sind vergangen, daß kein Aufhalten dagewesen ist.

7. Gedenke, daß mein Leben ein Wind ist, und meine Augen nicht wiederkommen, zu sehen das Gute.

8. Und kein lebendig Auge wird mich mehr sehen. Deine Augen sehen mich an; darüber vergehe ich.

9. Eine Wolke vergehet und fähret dahin; also, wer in die Hölle hinunterfährt, kommt nicht wieder herauf

10. und kommt nicht wieder in sein Haus, und sein Ort kennet ihn nicht mehr.

11. Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren; ich will reden von der Angst meines Herzens und will heraussagen von der Betrübnis meiner Seele.

12. Bin ich denn ein Meer oder ein Walfisch, daß du mich so verwahrest?

13. Wenn ich gedachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir's leichtern;

14. wenn ich mit mir selbst rede, so erschreckst du mich mit Träumen und machst mir Grauen,

15. daß meine Seele wünschet erhangen zu sein, und meine Gebeine den Tod.

16. Ich begehre nicht mehr zu leben. Höre auf von mir, denn meine Tage sind vergeblich gewesen.

17. Was ist ein Mensch, daß du ihn groß achtest und bekümmerst dich mit ihm?

18. Du suchest ihn täglich heim und versuchest ihn alle Stunde.

19. Warum tust du dich nicht von mir und lässest nicht ab, bis ich meinen Speichel schlinge?

20. Habe ich gesündiget, was soll ich dir tun, o du Menschenhüter? Warum machst du mich, daß ich auf dich stoße und bin mir selbst eine Last?

21. Und warum vergibst du mir meine Missetat nicht und nimmst nicht weg meine Sünde? Denn nun werde ich mich in die Erde legen; und wenn man mich morgen suchet, werde ich nicht da sein.

1. Da antwortete Bildad von Suah und sprach:

2. Wie lange willst du solches reden und die Rede deines Mundes so einen stolzen Mut haben?

3. Meinest du, daß Gott unrecht richte, oder der Allmächtige das Recht verkehre?

4. Haben deine Söhne vor ihm gesündiget, so hat er sie verstoßen um ihrer Missetat willen.

5. So du aber dich beizeiten zu Gott tust und dem Allmächtigen flehest,

6. und du so rein und fromm bist, so wird er aufwachen zu dir und wird wieder aufrichten die Wohnung um deiner Gerechtigkeit willen;

7. und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach fast zunehmen.

8. Denn frage die vorigen Geschlechter und nimm dir vor, zu forschen ihre Väter.

9. (Denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unser Leben ist ein Schatten auf Erden.)

10. Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem Herzen hervorbringen.

11. Kann auch das Schilf aufwachsen, wo es nicht feucht stehet, oder Gras wachsen ohne Wasser?

12. Sonst wenn's noch in der Blüte ist, ehe es abgehauen wird, verdorret es, ehe denn man Heu machet.

13. So geht es allen denen, die Gottes vergessen, und die Hoffnung der Heuchler wird verloren sein.

14. Denn seine Zuversicht vergehet, und seine Hoffnung ist eine Spinnwebe.

15. Er verlässet sich auf sein Haus und wird doch nicht bestehen; er wird sich dran halten, aber doch nicht stehen bleiben.

16. Es hat wohl Früchte, ehe denn die Sonne kommt; und Reiser wachsen hervor in seinem Garten.

17. Seine Saat stehet dicke bei den Quellen und sein Haus auf Steinen.

18. Wenn er ihn aber verschlinget von seinem Ort, wird er sich gegen ihn stellen, als kennete er ihn nicht.

19. Siehe, das ist die Freude seines Wesens; und werden andere aus dem Staube wachsen.

20. Darum siehe, daß Gott nicht verwirft die Frommen und erhält nicht die Hand der Boshaftigen,

21. bis daß dein Mund voll Lachens werde und deine Lippen voll Jauchzens.

22. Die dich aber hassen; werden zuschanden werden, und der Gottlosen Hütte wird nicht bestehen.

1. Hiob antwortete und sprach:

2. Ja, ich weiß fast wohl, daß also ist, daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen Gott.

3. Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.

4. Er ist weise und mächtig wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?

5. Er versetzt Berge, ehe sie es inne werden, die er in seinem Zorn umkehret.

6. Er weget ein Land aus seinem Ort, daß seine Pfeiler zittern.

7. Er spricht zur Sonne, so gehet sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.

8. Er breitet den Himmel aus allein und gehet auf den Wogen des Meers.

9. Er machet den Wagen am Himmel und Orion und die Glucke und die Sterne gegen Mittag.

10. Er tut große Dinge, die nicht zu forschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.

11. Siehe, er gehet vor mir über, ehe ich's gewahr werde, und verwandelt sich, ehe ich's merke.

12. Siehe, wenn er geschwind hinfähret, wer will ihn wiederholen? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?

13. Er ist Gott, seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihm müssen sich beugen die stolzen HERREN.

14. Wie sollt ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?

15. Wenn ich auch gleich recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten sondern ich müßte um mein Recht flehen.

16. Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhöret, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.

17. Denn er fähret über mich mit Ungestüm und macht mir der Wunden viel ohne Ursache.

18. Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.

19. Will man Macht; so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?

20. Sage ich, daß ich gerecht bin; so verdammet er mich doch; bin ich fromm, so macht er mich doch zu Unrecht.

21. Bin ich denn fromm, so darf sich's meine Seele nicht annehmen. Ich begehre keines Lebens mehr.

22. Das ist das Eine, das ich gesagt habe: Er bringet um beide den Frommen und Gottlosen.

23. Wenn er anhebt zu geißeln, so dringet er fort bald zum Tode und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.

24. Das Land aber wird gegeben unter die Hand des Gottlosen, daß er ihre Richter unterdrücke. Ist's nicht also? Wie sollte es anders sein?

25. Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.

26. Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fleugt zur Speise.

27. Wenn ich gedenke, ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,

28. so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.

29. Bin ich denn gottlos, warum leide ich denn solche vergebliche Plage?

30. Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wünsche und reinigte meine Hände mit dem Brunnen,

31. so wirst du mich doch tunken in Kot, und werden mir meine Kleider scheußlich anstehen.

32. Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten möchte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.

33. Es ist unter uns kein Schiedsmann, noch der seine Hand zwischen uns beide lege.

34. Er nehme von mir seine Rute und lasse sein Schrecken von mir,

35. daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; sonst kann ich nichts tun, das für mich sei.

1. Meine Seele verdreußt mein Leben; ich will meine Klage bei mir gehen lassen und reden von Betrübnis meiner Seele

2. und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht; laß mich wissen, warum du mit mir haderst!

3. Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine Hände gemacht haben, und machest der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?

4. Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehest du, wie ein Mensch siehet?

5. Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit, oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre,

6. daß du nach meiner Missetat fragest und suchest meine Sünde?

7. So du doch weißt, wie ich nicht gottlos sei; so doch niemand ist, der aus deiner Hand erretten möge.

8. Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und um bin; und versenkest mich sogar!

9. Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast, und wirst mich wieder zu Erden machen.

10. Hast du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen gerinnen?

11. Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammengefüget.

12. Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem.

13. Und wiewohl du solches in deinem Herzen verbirgest, so weiß ich doch, daß du des gedenkest.

14. Wenn ich sündige, so merkest du es bald und lässest meine Missetat nicht ungestraft.

15. Bin ich gottlos, so ist mir aber wehe; bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und sehe mein Elend.

16. Und wie ein aufgereckter Löwe jagest du mich und handelst wiederum greulich mit mir.

17. Du erneuest deine Zeugen wider mich und machst deines Zorns viel auf mich; es zerplagt mich eins über das andere mit Haufen.

18. Warum hast du mich aus Mutterleibe kommen lassen? Ach, daß ich wäre umkommen, und mich nie kein Auge gesehen hätte!

19. So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe gebracht.

20. Will denn nicht ein Ende haben mein kurzes Leben, und von mir lassen, daß ich ein wenig erquickt würde,

21. ehe denn ich hingehe und komme nicht wieder, nämlich ins Land der Finsternis und des Dunkels,

22. ins Land, da es stockdick finster ist, und da keine Ordnung ist, da es scheinet wie das Dunkel?

1. Da antwortete Zophar von Naema und sprach:

2. Wenn einer lange geredet, muß er nicht auch hören? Muß denn ein Wäscher immer recht haben?

3. Müssen die Leute deinem großen Schwätzen Schweigen, daß du spottest, und niemand dich beschäme?

4. Du sprichst: Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen Augen.

5. Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf

6. und zeigete die heimliche Weisheit! Denn er hätte wohl noch mehr an dir zu tun, auf daß du wissest, daß er deiner Sünden nicht aller gedenkt.

7. Meinest du, daß du so viel wissest, als Gott weiß, und wollest alles so vollkommen treffen als der Allmächtige?

8. Er ist höher denn der Himmel; was willst du tun? tiefer denn die Hölle; was kannst du wissen?

9. Länger denn die Erde und breiter denn das Meer.

10. So er sie umkehrete oder verbürge oder in einen Haufen würfe, wer will's ihm wehren?

11. Denn er kennet die losen Leute, er siehet die Untugend, und sollte es nicht merken?

12. Ein unnützer Mann blähet sich; und ein geborener Mensch will sein wie ein junges Wild.

13. Wenn du dein Herz hättest gerichtet und deine Hände zu ihm ausgebreitet;

14. wenn du die Untugend, die in deiner Hand ist, hättest ferne von dir getan, daß in deiner Hütte kein Unrecht bliebe,

15. so möchtest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest sein und dich nicht fürchten.

16. Dann würdest du der Mühe vergessen und so wenig gedenken als des Wassers, das vorübergehet.

17. Und die Zeit deines Lebens würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstere würde ein lichter Morgen werden.

18. Und dürftest dich des trösten, daß Hoffnung da sei; du würdest mit Ruhe ins Grab kommen.

19. Und würdest dich legen, und niemand würde dich aufschrecken; und viele würden vor dir flehen.

20. Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und werden nicht entrinnen mögen; denn ihre Hoffnung wird ihrer Seele fehlen.

1. Da antwortete Hiob und sprach:

2. Ja, ihr seid die Leute; mit euch wird die Weisheit sterben!

3. Ich habe so wohl ein Herz als ihr und bin nicht geringer denn ihr; und wer ist, der solches nicht wisse?

4. Wer von seinem Nächsten verlachet wird, der wird Gott anrufen, der wird ihn erhören. Der Gerechte und Fromme muß verlachet sein

5. und ist ein verachtet Lichtlein vor den Gedanken der Stolzen, stehet aber, daß sie sich dran ärgern.

6. Der Verstörer Hütten haben die Fülle und toben wider Gott türstiglich, wiewohl es ihnen Gott in ihre Hände gegeben hat.

7. Frage doch das Vieh, das wird dich's lehren, und die Vögel unter dem Himmel, die werden dir's sagen.

8. Oder rede mit der Erde, die wird dich's lehren, und die Fische im Meer werden dir's erzählen.

9. Wer weiß solches alles nicht, daß des HERRN Hand das gemacht hat,

10. daß in seiner Hand ist die Seele alles des, das da lebet, und der Geist alles Fleisches eines jeglichen?

11. Prüfet nicht das Ohr die Rede; und der Mund schmecket die Speise?

12. Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit und der Verstand bei den Alten.

13. Bei ihm ist Weisheit und Gewalt, Rat und Verstand.

14. Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand verschleußt, kann niemand aufmachen.

15. Siehe, wenn er das Wasser verschleußt, so wird's alles dürre; und wenn s ausläßt, so kehret es das Land um.

16. Er ist stark und führet es aus. Sein ist, der da irret, und der da verführet.

17. Er führet die Klugen wie einen Raub und machet die Richter toll.

18. Er löset auf der Könige Zwang und gürtet mit einem Gürtel ihre Lenden.

19. Er führet die Priester wie einen Raub und lässet es fehlen den Festen.

20. Er wendet weg die Lippen der Wahrhaftigen und nimmt weg die Sitten der Alten.

21. Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und macht den Bund der Gewaltigen los.

22. Er öffnet die finstern Gründe und bringet heraus das Dunkel an das Licht.

23. Er macht etliche zum großen Volk und bringet sie wieder um. Er breitet ein Volk aus und treibet es wieder weg.

24. Er nimmt weg den Mut der Obersten des Volks im Lande und macht sie irre auf einem Umwege, da kein Weg ist,

25. daß sie in der Finsternis tappen ohne Licht; und macht sie irre wie die Trunkenen.

1. Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehöret, und habe es verstanden.

2. Was ihr wisset, das weiß ich auch, und bin nicht geringer denn ihr.

3. Doch wollte ich gerne wider den Allmächtigen reden und wollte gerne mit Gott rechten.

4. Denn ihr deutet es fälschlich und seid alle unnütze Ärzte.

5. Wollte Gott, ihr schwieget; so würdet ihr weise.

6. Höret doch meine Strafe und merket auf die Sache, davon ich rede.

7. Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und für ihn List brauchen?

8. Wollt ihr seine Person ansehen? Wollt ihr Gott vertreten?

9. Wird's euch auch wohlgehen, wenn er euch richten wird? Meinet ihr, daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuschet?

10. Er wird euch strafen, wo ihr Person ansehet heimlich.

11. Wird er euch nicht erschrecken, wenn er sich wird hervortun, und seine Furcht wird über euch fallen?

12. Euer Gedächtnis wird verglichen werden der Asche, und euer Rücken wird wie ein Leimenhaufe sein.

13. Schweiget mir, daß ich rede; es soll mir nichts fehlen.

14. Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen beißen und meine Seele in meine Hände legen?

15. Siehe, er wird mich doch erwürgen, und ich kann's nicht erwarten; doch will ich meine Wege vor ihm strafen.

16. Er wird ja mein Heil sein; denn es kommt kein Heuchler vor ihn.

17. Höret meine Rede und meine Auslegung vor euren Ohren!

18. Siehe, ich habe das Urteil schon gefället; ich weiß, daß ich werde gerecht sein.

19. Wer ist, der mit mir rechten will? Aber nun muß ich schweigen und verderben.

20. Zweierlei tu mir nur nicht, so will ich mich vor dir nicht verbergen:

21. Laß deine Hand ferne von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich nicht.

22. Rufe mir, ich will dir antworten; oder ich will reden, antworte du mir.

23. Wie viel ist meiner Missetat und Sünden? Laß mich wissen meine Übertretung und Sünde!

24. Warum verbirgest du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?

25. Willst du wider ein fliegend Blatt so ernst sein und einen dürren Halm verfolgen?

26. Denn du schreibest mir an Betrübnis und willst mich umbringen um der Sünden willen meiner Jugend.

27. Du hast meinen Fuß in Stock gelegt und hast acht auf alle meine Pfade und siehest auf die Fußtapfen meiner Füße,

28. der ich doch wie ein faul Aas vergehe und wie ein Kleid, das die Motten fressen.

1. Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,

2. gehet auf wie eine Blume und fällt ab, fleucht wie ein Schatten und bleibet nicht.

3. Und du tust deine Augen über solchem auf, daß du mich vor dir in das Gericht ziehest.

4. Wer will einen Reinen finden bei denen, da keiner rein ist?

5. Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden stehet bei dir; du hast ein Ziel gesetzt, das wird er nicht übergehen.

6. Tue dich von ihm, daß er Ruhe habe, bis daß seine Zeit komme, deren er wie ein Taglöhner wartet.

7. Ein Baum hat Hoffnung, wenn er schon abgehauen ist, daß er sich wieder verändere, und seine Schößlinge hören nicht auf.

8. Ob seine Wurzel in der Erde veraltet und sein Stamm in dem Staube erstirbt,

9. grünet er doch wieder vom Geruch des Wassers und wächst daher, als wäre er gepflanzet.

10. Wo ist aber ein Mensch, wenn er tot und umkommen und dahin ist?

11. Wie ein Wasser ausläuft aus dem See und wie ein Strom versieget und vertrocknet,

12. so ist ein Mensch, wenn er sich legt, und wird nicht aufstehen und wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch von seinem Schlaf erweckt werden.

13. Ach, daß du mich in der Hölle verdecktest und verbärgest, bis dein Zorn sich lege, und setztest mir ein Ziel, daß du an mich denkest!

14. Meinest du, ein toter Mensch werde wieder leben? Ich harre täglich; dieweil ich streite, bis daß meine Veränderung komme,

15. daß du wollest mir rufen, und ich dir antworten, und wollest das Werk deiner Hände nicht ausschlagen.

16. Denn du hast schon meine Gänge gezählet; aber du wollest ja nicht achthaben auf meine Sünde.

17. Du hast meine Übertretung in einem Bündlein versiegelt und meine Missetat zusammengefasset.

18. Zerfällt doch ein Berg und vergehet, und ein Fels wird von seinem Ort versetzt.

19. Wasser wäschet Steine weg, und die Tropfen flößen die Erde weg; aber des Menschen Hoffnung ist verloren.

20. Denn du stößest ihn gar um, daß er dahinfähret, veränderst sein Wesen und lässest ihn fahren.

21. Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht; oder ob sie geringe sind, des wird er nicht gewahr.

22. Weil er das Fleisch an sich trägt, muß er Schmerzen haben, und weil seine Seele noch bei ihm ist, muß er Leid tragen.

Significados: Rute.

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Este lívro compôe o Antigo Testamento, tem 42 capítulos, e 1070 versículos.